bears and more • Klaus Pommerenke
 
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2. August 2014
Historisches Urteil: Juristischer Sieg der Tsilhqot’in First Nation
über die Provinzregierung von BC
 
In einem als historisch zu bezeichnenden Urteil sprach Kanadas Oberstes Gericht (Supreme Court) am 26. Juni 2014 den 3.000 Angehörigen der Tsilhqot’in First Nation (People of the River) das „historische Recht“ zur Besiedlung und Nutzung eines Gebietes von 2.000 m² in BC zu (Chilcotin Plateau, Coast Mountains, Gebiet nördlich von Williams Lake). Vor zwei Jahren hatte der Supreme Court of BC den Rechtsanspruch der Tsilhqot’in First Nation über ihr traditionelles Territorium noch zurückgewiesen – ganz im Sinne der Provinzregierung von BC, die natürlich auf Bodenschätze, v. a. Öl und Gas, aber auch andere Ressourcen wie Holz, den alleinigen und direkten Zugriff haben will, ohne vorher die im Gebiet ansässigen First Nations fragen oder mühsam einen Konsens aushandeln zu müssen. Nach über 30 Jahren endete nun endlich der Rechtsstreit zwischen der Tsilhqot’in First Nation und der Provinz BC. Er hatte 1983 begonnen, als die damalige Provinzregierung gegen den Willen der First Nations Holzeinschlagsrechte an Forstunternehmen vergeben hatte.
Die Tsilhqot’in feierten diesen juristischen Sieg, der für zukünftige Bergbau-, Öl- und Pipelineprojekte in BC und ganz Kanada immense Bedeutung haben wird, doch bitter ist, dass diese längst überfällige Anerkennung ihres Rechtsanspruchs auf ihr angestammtes Territorium nicht bedeutet, dass sie vollständig hierüber verfügen können. Die Regierung kann leider auch zukünftig Wirtschaftsprojekte genehmigen, wenn sie ein „übergeordnetes öffentliches Interesse“ nachweist und die First Nations für ihre Verluste entschädigt. Hinter dieser schwammigen Formulierung versteckt sich die Möglichkeit, jedes politisch gewollte Großprojekt der Öl- und Gasindustrie durchzusetzen, wenn man erklärt, es sei – wie das Northern Gateway Pipeline-Projekt – im nationalen Interesse. Die „Aboriginal title or claims for Aboriginal title … must be respected by the government, unless the government can justify incursion on them for compelling purpose and in conformity with its fiduciary duty [Treuepflicht] to affected Aboriginal groups“, heißt es im Urteil des kanadischen Supreme Court.
Auch die Coastal First Nations in BC begrüßten die Entscheidung des Supreme Court zugunsten der Tsilhqot’in First Nation. „The Tsilhqot’in decision is a major victory for all First Nations people in British Columbia and Canada. ‚It represents a massive shift in the relationship between First Nations and governments‘, said Art Sterritt. Sterritt, the executive director of the Coastal First Nations, said the decision also reaffirms the long road First Nations have been on for the last 45 years. ‚Many of our leaders have worked tirelessly to get to this point where the Supreme Court of Canada has unanimously recognized our Aboriginal Rights to the land.‘“ (Coastal First Nations reacts to Tsilhqot’in Decision, 26. Juni 2014).
Die Financial Post bejammert natürlich die Entscheidung des Supreme Court und befürchtet zukünftig „incredible uncertainty for investors“ (Supreme Court’s Tsilhqot’in First Nation land title ruling boosts uncertainty in Canada’s natural resource sectors, Ravina Baines und Niels Veldhuis, 21. Juli 2014): „The Tsilhoqt’in judgment represents the first time in Canadian history a declaration of Aboriginal title has been granted outside an Indian reserve. And unlike previous judgments, the Tsilhqot’in ruling states that Aboriginal title can extend to all traditional territories and is not limited to specific village sites. Even more important, once Aboriginal title has been recognized, project development requires the consent of the First Nation that holds title, except where the government can demonstrate a compelling and substantial public purpose for the project. If there is a project on Aboriginal title land not supported by the First Nation, even if it has long existed, then according to the Tsilhqot’in judgment, the government ‚may be required to cancel the project … if continuation of the project would be unjustifiably infringing‘“.
Nachfolgend ist die Pressemitteilung des Tsilhqot’in National Government in Williams Lake vom 26. Juni 2014 zur Supreme Court-Entscheidung wiedergegeben:
 
Supreme Court-Entscheidung
 
Gestärkt durch die Entscheidung des Supreme Court dürfte als erstes der Bergbaukonzern Taseko Mines Ltd. die juristische Souveränität der Tsilhqot’in über ihr Territorium zu spüren bekommen. Das unsägliche New Prosperity-Projekt, welches zur Zerstörung des Fish Lake geführt hätte, dürfte endgültig gescheitert sein, auch wenn Taseko dies selbst immer noch nicht wahrhaben will. (Vgl. Meldung vom 28.09.2011 auf dieser Website.)
Die Pressemitteilung des Tsilhqot’in National Government zu den Plänen von Taseko Mines Ltd., das New Prosperity Mine Projekt unbeirrt gegen den Willen der Tsilhqot’in trotz der Entscheidung des Supreme Court durchdrücken zu wollen, finden Sie nachfolgend:
 
Taseko Mines Ltd.
 
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